Fleet & Mobility Update · Ausgabe September 2026
Vier Themen, die bis Jahresende auf die Gesamtkosten wirken. Jede Zahl mit Quelle, zu jedem Thema eine Handlungsempfehlung. Versendet am 10. September 2026 an die Abonnenten.
Im August war fast jede dritte Neuzulassung batterieelektrisch. 32,4 Prozent, der höchste Wert, den der Markt je ohne Kaufförderung erreicht hat. Im selben Monat gingen die gewerblichen Neuzulassungen um 5,3 Prozent zurück.
Beide Zahlen stammen aus derselben Statistik, und sie widersprechen sich nicht. Warum das so ist, steht in dieser Ausgabe. Dazu drei Themen, die bis Jahresende auf Ihre Kosten wirken: die Erneuerungsrunde der Flottenversicherung, die Frist für die Treibhausgasminderungsquote und der Kraftstoffpreis in der Planung für 2027.
01 · Marktbarometer
Im August 2026 waren 32,4 % aller neu zugelassenen Pkw batterieelektrisch, nach 29,3 % im Juli. Der absolute Monatsrekord bleibt der Dezember 2022 mit 33,2 %, damals getrieben vom Vorziehen von Zulassungen vor dem Förderende. Ohne Förderungseffekt ist der August der stärkste Monat, den es je gab.
Noch aussagekräftiger ist die Gesamtsicht: 72,7 % aller Neuzulassungen hatten einen alternativen Antrieb. Reine Verbrenner ohne jede Elektrifizierung kommen zusammen auf 27,3 %. Wer eine Car Policy schreibt, die den Verbrenner als Normalfall behandelt, beschreibt gut ein Viertel des Marktes.
| Kennzahl | August 2026 | ggü. Vorjahr |
|---|---|---|
| BEV-Anteil an Neuzulassungen | 32,4 % | +13,4 Pp |
| BEV-Neuzulassungen | 68.930 | +75,1 % |
| Alternative Antriebe gesamt | 72,7 % | +25,9 % |
| CO2-Schnitt Neuzulassungen | 86,0 g/km | −18,0 % |
| Private Neuzulassungen | 40,5 % Anteil | +16,9 % |
| Gewerbliche Neuzulassungen | 59,4 % Anteil | −5,3 % |
Alle Werte für den Berichtsmonat August 2026. Veränderung jeweils gegenüber August 2025. Die Veränderung des BEV-Anteils in Prozentpunkten ist aus den veröffentlichten Zahlen berechnet.
Unter der Oberfläche laufen die beiden Haltergruppen auseinander, und zwar deutlicher als im Vormonat. Private Neuzulassungen legten im August um 16,9 % zu, gewerbliche gaben um 5,3 % nach. Im Juli lag dasselbe Verhältnis noch bei plus 8,0 zu minus 2,4 %. Das ist kein Ausreißer mehr, sondern ein Muster.
Wer im vierten Quartal ausschreibt, verhandelt in einem Umfeld, in dem der Gesamtmarkt wächst und die Anbieter zugleich um gewerbliche Volumina konkurrieren. Prüfen Sie, welche Rahmenverträge 2027 auslaufen, und ziehen Sie die Ausschreibung nach vorn, statt sie automatisch verlängern zu lassen.
02 · Im Fokus
Die Kfz-Versicherung ist im Fuhrpark selten der größte Kostenblock, aber der mit der kürzesten Reaktionszeit. Wer zum Jahreswechsel verlängert, hat dafür im Regelfall bis zum 30. November Zeit. Danach läuft der Vertrag mit den neuen Konditionen weiter.
Der Kostendruck kommt nicht aus der Schadenhäufigkeit, sondern aus der Reparatur. Nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherer kosteten Arbeiten an Mechanik, Elektrik und Karosserie 2024 im Schnitt 202 Euro je Stunde, Lackierarbeiten 220 Euro. Beide Sätze stiegen binnen eines Jahres um fast acht Prozent.
Der längere Verlauf zeigt das Ausmaß: Während die Verbraucherpreise von 2017 bis 2024 um rund 24 Prozent zulegten, erhöhten Werkstätten und Lackierereien ihre Stundensätze im selben Zeitraum um 50 Prozent.
Auf der Gegenseite steht eine Branche, die Geld verliert. In den Jahren 2023 und 2024 summierten sich die Verluste der Kfz-Versicherer auf rund fünf Milliarden Euro. Jedem eingenommenen Euro Beitrag standen Ausgaben von 1,10 Euro gegenüber. Solche Zahlen werden in der nächsten Erneuerungsrunde eingepreist.
Bei Flottenverträgen entscheidet weniger der Tarif als der eigene Schadenverlauf. Wo ein Rahmenvertrag über Jahre nicht angepasst wurde, kann bereits ein einzelner Großschaden die Verhandlung kippen. Die übliche Reaktion des Marktes ist dann nicht die Kündigung, sondern die Anhebung der Prämie oder des Selbstbehalts.
Beides ist verhandelbar, aber nur mit Zahlen. Wer in die Erneuerung geht, ohne den eigenen Schadenverlauf nach Ursache, Standort und Fahrzeugklasse ausgewertet zu haben, verhandelt über eine Prämie, deren Grundlage er nicht kennt.
Werten Sie den Schadenverlauf der vergangenen drei Jahre je Fahrzeugklasse und Standort aus und identifizieren Sie die drei größten Treiber. Terminieren Sie das Gespräch mit Makler oder Versicherer vor dem 30. November. Und notieren Sie sich das Sonderkündigungsrecht: Nach einer Beitragserhöhung können Sie den Vertrag in der Regel innerhalb eines Monats nach Zugang kündigen, auch nach Ablauf der ordentlichen Frist.
03 · Regulatorik & Steuer
Für jedes rein batterieelektrische Fahrzeug im Bestand lässt sich die pauschale Emissionseinsparung zertifizieren und verkaufen. Die gesetzliche Antragsfrist beim Umweltbundesamt endet am 15. November 2026. Viele Vermarkter schließen ihre Annahme bereits Ende Oktober, es gilt also die frühere Anbieterfrist.
Zwei Änderungen wirken in diesem Jahr zugunsten der Halter. Der vom Umweltbundesamt festgelegte Emissionswert des Strommixes sank für 2026 auf 119 Kilogramm je Gigajoule, nach 124 im Vorjahr. Je Fahrzeug entstehen dadurch mehr anrechenbare Zertifikate. Zugleich entfällt 2026 die Doppelanrechnung fortschrittlicher Kraftstoffe, was das Angebot auf der Gegenseite verknappt.
Beides zusammen erklärt, warum die Quotenpreise im laufenden Jahr deutlich über dem Niveau von 2025 liegen. Wer die Vermarktung noch nicht angestoßen hat, verliert den Erlös eines vollen Jahres, nicht einen Teilbetrag.
Prüfen Sie in der Zulassungsbescheinigung Teil I, wer bei Ihren Elektrofahrzeugen als Halter eingetragen ist. Beim Full-Service-Leasing ist das häufig der Leasinggeber, dann steht der Erlös ihm zu, sofern der Vertrag nichts anderes regelt. Schreiben Sie die Vermarktung anschließend für den Gesamtbestand aus, nicht Fahrzeug für Fahrzeug.
Ende August lagen die bundesweiten Durchschnittspreise bei 2,155 Euro für Super E10 und 2,248 Euro für Diesel. Bemerkenswert ist das Verhältnis: Diesel liegt seit Monaten über Benzin, ein Muster, das in vielen Flottenkalkulationen noch andersherum hinterlegt ist.
Dazu kommt der nationale Preis für CO2, der seit Januar im Auktionskorridor liegt. Die erste Auktion schloss am gesetzlichen Höchstpreis von 65 Euro je Tonne. Für die Budgetplanung heißt das: Der obere Rand des Korridors ist bereits erreicht, ein Puffer nach unten besteht nicht.
Rechnen Sie die Kraftstoffposition Ihrer Planung für 2027 mit dem aktuellen Diesel-Benzin-Verhältnis, nicht mit dem historischen. Die Differenz zeigt, ab welchem Verbrenneranteil die Umstellung keine strategische Frage mehr ist, sondern eine der Kalkulation.
04 · Beobachtungen aus der Praxis
Der Rückgang der gewerblichen Neuzulassungen wird schnell als Zurückhaltung gegenüber der Elektrifizierung gelesen. In unseren Projekten sehen wir eher das Gegenteil.
Unternehmen stellen ihre Car Policy auf vollelektrisch um, und sie setzen das auch um. Der Unterschied zum privaten Markt liegt nicht in der Absicht, sondern in der Zahl der Beteiligten. Eine Flotte umfasst mehrere Fahrergruppen mit unterschiedlichen Nutzungsprofilen, dazu Incentive-Regelungen und historisch gewachsene Vereinbarungen, die über Personal, Einkauf, Steuern und Fuhrpark verteilt sind. Alle vier müssen dieselbe Regel tragen. Vor der Umstellung stehen deshalb regelmäßig Test- und Pilotphasen.
Wer privat kauft, entscheidet allein. Wer eine Flotte umstellt, ändert ein Regelwerk. Das erklärt einen Teil des zeitlichen Versatzes zwischen beiden Märkten.
Hinzu kommt die wirtschaftliche Lage. Wo Wachstum ausbleibt und der Kosten- sowie Wettbewerbsdruck steigt, wird der Bestand eher reduziert als erweitert, und projektgetriebener Zusatzbedarf entfällt. Der gewerbliche Fuhrpark atmet mit der Konjunktur: In Wachstumsphasen steigt der projektbezogene Anteil kurzfristig, in schwächeren Phasen geht er entsprechend zurück.
Für die Einordnung der Zulassungszahlen heißt das: Ein Minus im gewerblichen Markt ist kein Signal gegen die Elektrifizierung. Es kann ebenso ein Signal für einen laufenden Umbau sein.
Aus der Beratungspraxis von fleetcompetence Germany. Anonymisiert und über mehrere Fälle zusammengefasst.
Führen Sie Ihren Bestand getrennt nach Grundbedarf und projektbezogenem Bedarf. Nur der Grundbedarf gehört in lange Laufzeiten, der projektbezogene Anteil in flexible Modelle. Wer beides gleich behandelt, zahlt in schwachen Phasen für Fahrzeuge, die stehen.
05 · Zahl des Monats
So viele Pkw mit Brennstoffzelle wurden im August 2026 in Deutschland neu zugelassen. Nicht wenige. Keine. Für die Antriebsart Wasserstoff meldet das Kraftfahrt-Bundesamt ebenfalls keine einzige Neuzulassung.
Zur Einordnung: Im selben Monat kamen 68.930 batterieelektrische Pkw neu auf die Straße, dazu 25.406 Plug-in-Hybride und sogar 971 Fahrzeuge mit Gasantrieb.
Für Fuhrparks, die Wasserstoff als Option für die Langstrecke im Blick behalten, ist das ein nüchterner Befund. Im Pkw-Segment findet diese Technologie derzeit nicht statt.
Quellen: Neuzulassungen, Haltergruppen und CO2-Schnitt August 2026: Kraftfahrt-Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 35/2026 (03.09.2026). Antriebsarten und Segmente August 2026: KBA, Pressemitteilung Nr. 36/2026 (07.09.2026). Vormonatswerte: KBA, Pressemitteilungen Nr. 32/2026 (06.08.2026) und Nr. 25/2026 (03.07.2026). Historischer BEV-Monatsrekord Dezember 2022 (33,2 %): KBA, Neuzulassungen Dezember 2022. Werkstatt- und Lackierstundensätze sowie Ergebnis der Kfz-Versicherer: Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, Medieninformationen vom 01.10.2025 und 03.06.2025, Datenbasis DEKRA. Antragsfrist THG-Quote: Paragraf 8 Absatz 1 Nummer 2 der 38. BImSchV. Berechtigung des Halters: Paragraf 7 der 38. BImSchV. Weiterentwicklung der THG-Quote: Deutscher Bundestag, Beschluss vom 23.04.2026. Emissionswert des Strommixes 2026 (119 kg CO2eq/GJ): Umweltbundesamt. Kraftstoffpreise: ADAC, Auswertung vom 26.08.2026. CO2-Bepreisung und Auktionsergebnis: Paragraf 10 BEHG, Paragraf 12 BEHV; Deutsche Emissionshandelsstelle. Abruf jeweils 10.09.2026.
Schadenquote als Preistreiber, Prämie steuern.
Schadenquote senken, Ausfallzeiten verkürzen.
Jährliche Prämie je zugelassenem Elektrofahrzeug.
THG-Quote, Ladekosten und der Antriebsmix im Juli.
Diese Ausgabe erschien am 10. September im Fleet & Mobility Update.
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